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Gaffer am Straßenrand: Wenn Fotos mehr zählen als ein Leben

Wo ein Unfall geschieht, sind die Gaffer nicht weit.

Ein aktuelles Beispiel: Ein 15-Jähriger wird lebensgefährlich verletzt. Schaulustige fotografieren das Geschehen und blockieren dadurch den Landeplatz des Rettungshubschraubers.

Mit welchen Strafen Gaffer rechnen müssen und wie Sie sich an Unfallorten richtig verhalten, erklärt AdmiralDirekt.de.

Schaulust gefährdet Menschenleben

Bei einem schweren Unfall in Bad Oeynhausen prallte kürzlich ein 15-Jähriger Fahrradfahrer mit einem Mercedes zusammen und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Anstatt die Forderung der Polizei zu befolgen und Platz für den Rettungshubschrauber zu machen, zückten dutzende Schaulustige ihr Smartphone und filmten das Geschehen. ( Neue Westfälische)

Mit Schaulustigen haben Rettungskräfte leider häufig zu kämpfen. Das Muster ist immer das Gleiche: Ein schwerer Unfall ereignet sich auf der Autobahn oder einer Landstraße. Mehrere Personen werden dabei schwer verletzt. Rettungskräfte und Polizei kommen jedoch nicht durch.

Schuld sind Gaffer, die langsam am Unfallort vorbeifahren und Stau verursachen. Manche behindern die Rettungswege, parken auf dem Seitenstreifen und fotografieren die Opfer aus nächster Nähe, anstatt Erste Hilfe zu leisten. Vielmehr noch: Sie teilen Fotos und Videos des Unfallortes, der Verletzten und sogar Verstorbenen auf Facebook und Co.

Dass sie sich damit strafbar machen, scheint vielen Schaulustigen vollkommen egal.

Die Strafen

Gaffen wird als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld von bis zu 1.000 Euro bestraft.

Bei Behinderung der Rettungskräfte durch das Befahren oder Parken auf dem Seitenstreifen zahlen Sie 20 Euro bzw. 25 Euro.

Unterlassene Hilfeleistung wird als Straftat mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe verfolgt.

Fotos oder Filme vom Unfall machen führt zu einer Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe.

Wo bleibt die Pietät?

Über ein Jahr ist es her, dass der Bundesrat einen Gesetzesentwurf zur Änderung des Strafgesetzbuches verabschiedete. Die Veranlassung sah die Politik darin, dass Gaffer zunehmend dreister werden, Unfallorte blockieren und polizeiliche Ansagen ignorieren.

Ein Referentenentwurf von Justizminister Heiko Maas, der der Bundesregierung zur Beratung und Beschlussfassung dienen soll, weicht jedoch laut Berliner Morgenpost erheblich vom ursprünglichen Entwurf des Bundesrats ab. Die Koalitionen müssen sich nun wohl erst einigen. Derzeit gibt es keine konkreten Hinweise, wann das Gesetz in Kraft tritt.

Der Entwurf beschäftigt sich unter anderem mit der Frage des Persönlichkeitsrechts von Verstorbenen. Es steht außer Frage, dass Bildaufnahmen von Verstorbenen geschmacklos sind. Dennoch ist bisher nicht geregelt, wie rechtlich damit umgegangen werden soll. „Der strafrechtliche Schutz gegen solche Praktiken ist bisher lückenhaft“, heißt es darin.

Sie beobachten einen Unfall oder Unfallort: eine Checkliste

Wir von AdmiralDirekt.de möchten Ihnen einige Verhaltenstipps an die Hand geben, von denen wir denken, dass Sie Ihnen im Ernstfall nützlich sind.

Sie werden Zeuge eines Unfalls

  • Schalten Sie die Warnblinkanlage ein
  • Halten Sie mit ausreichendem Abstand zur Unfallstelle auf dem Standstreifen
  • Sichern Sie die Unfallstelle ab
  • Leisten Sie Erste Hilfe:Als Beobachter eines Unfalls sind Sie nicht nur ein wichtiger Zeuge, sondern auch zur Hilfe verpflichtet. Helfen Sie nicht, begehen Sie Unterlassene Hilfeleistung! Dazu zählt an erster Stelle:
    • Setzen Sie den Notruf über die 112 ab!

Wenn Sie eine gesicherte Unfallstelle passieren

  • Stau und Auffahrunfälle vermeiden:
    Werden die Opfer bereits versorgt, fahren Sie zügig an der Unfallstelle vorbei, um Stau zu vermeiden.
  • Bilden Sie eine Rettungsgasse:
    Lassen Sie die Einsatzkräfte durch, fahren Sie zur Seite und versuchen Sie nicht, sich durch die Mitte durchzumogeln. Fängt einer damit an, bricht das Chaos aus, die Straßen sind für die Rettungskräfte blockiert und Verletzte müssen warten.
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