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Über 20 Millionen Euro Bußgeld für Handy am Steuer

Medienberichten zufolge wurden 2015 über 360.000 Fälle von Handy-Nutzung am Steuer geahndet. Männer greifen während der Fahrt häufiger zum Mobiltelefon als Frauen: sie wurden doppelt so oft erwischt. Köln und Augsburg testen Handy-Ampeln für die "Generation Kopf unten".

Leichter Rückgang bei der Handy-Nutzung am Steuer

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Verwarnungen wegen Handy-Nutzung am Steuer auf etwa 363.400 Fälle zurück gegangen. Im Jahr zuvor waren es knapp 27.000 Fälle mehr. Männer greifen während der Fahrt häufiger zum Mobiltelefon als Frauen: sie wurden doppelt so oft erwischt. Das berichtet die Heilbronner Stimme unter Berufung auf das Verkehrszentralregister des Kraftfahrt-Bundesamts. „Abgelenkte Fahrer sind eines der größten Unfallrisiken im Straßenverkehr“, warnte Verkehrsminister Alexander Dobrindt trotz des Rückgangs.

Handy-Nutzung weit verbreitet

Wie weit verbreitet die Handy-Nutzung am Steuer ist, zeigt eine Studie der Dekra aus dem Jahr 2014. Die Verkehrsbeobachter der Sachverständigenorganisation hatten bundesweit das Handy-Verhalten von knapp 10.000 Autofahrern erfasst – rund 3 Prozent der Beobachteten telefonierten ohne Freisprech-Einrichtung.

Eine noch unveröffentlichte Studie der Technischen Universität (TU) Braunschweig, über die unter anderem der NDR berichtete, befasst sich mit Fahrern, die beispielsweise Nachrichten auf ihrem Smartphone tippen. Bei knapp 12.000 erfassten Autos beschäftigten sich sogar 4,5 Prozent mit ihrem Mobiltelefon, statt auf den Verkehr zu achten.

US-Studie: Handy-Nutzung verfünffacht das Risiko

Wie gefährlich das Telefonieren am Steuer ist, zeigt eine Studie aus den Vereinigten Staaten. Das Virginia Tech Transportation Institute hatte knapp 3.500 Fahrer mit einem ausgefeilten Test-Equipment ausgerüstet und bei ihren alltäglichen Fahrten begleitet. Die Forscher installierten in den Autos der Teilnehmer eine Kombination aus Kameras, Sensoren und Radargeräten, die permanent Daten sammelten.

Bei der Auswertung der " Naturalistic Driving Study" konnten die Wissenschaftler auf die Daten von knapp 1600 Unfällen zurück greifen, die sich unter Alltagsbedingungen ereignet hatten. Ein Ergebnis: Der Griff zum Handy verfünffacht die Gefahr eines Unfalls. Das Lesen und Schreiben von Nachrichten steigerte das Risiko eines Crashs sogar um das Zehnfache.

Ein Punkt in Flensburg – Wiederholungstätern droht Fahrverbot

2014 hatte der Gesetzgeber den Bußgeldkatalog angepasst. Seitdem werden Autofahrer bei Handy-Nutzung mit 60 Euro Bußgeld verwarnt. Außerdem erhalten sie einen Punkt im Fahreignungsregister.

Wiederholungstäter können übrigens auch mit einem Fahrverbot belegt werden. Wer immer wieder durch die gleichen Ordnungswidrigkeiten auffällig wird, begeht eine sogenannte beharrliche Pflichtverletzung. Und in einem solchen Fall sieht das Straßenverkehrsgesetz (StVG) im Paragraphen 25 die Möglichkeit eines Fahrverbots vor. Dass der Paragraph auch bei wiederholter Handy-Nutzung am Steuer angewandt werden kann, bestätigte im September 2015 auch das Oberlandesgericht in Hamm (Az. 1 RBs 138/15).

Smartphones – ein Sicherheitsrisiko für alle Verkehrsteilnehmer

Nicht nur Autofahrer gefährden sich und andere durch die Handy-Nutzung am Steuer. Immer wieder verursachen auch Radfahrer Unfälle mit schweren Folgen, weil sie sich vom Smartphone ablenken lassen. Dementsprechend sieht der Bußgeld-Katalog auch bei der Handy-Nutzung auf zwei Rädern ein saftiges Bußgeld von 40 Euro vor.

Handy-Ampeln in Köln und Augsburg

Für die Handy-Nutzung als Fußgänger gibt es zurzeit noch keine einheitlichen Regeln. Wie groß der Handlungsbedarf in diesem Bereich ist, zeigt wiederum eine Studie der DEKRA. In sechs europäischen Hauptstädten beobachteten die Unfallforscher Fußgänger im Straßenverkehr: 17 Prozent nutzten beim Überqueren der Straße ihr Handy, rund 8 Prozent schrieben Nachrichten und etwa 3 Prozent telefonierten. Die Folgen können fatal sein: immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen.
Dem tragen die Städte Köln und Augsburg Rechnung. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) beispielsweise haben in einem Modellprojekt an 3 Straßenbahn-Haltestellen Boden-Ampeln installiert. In den Boden eingelassene, rot blinkende LEDs warnen notorische Handy-Gucker vor vorbei fahrenden Zügen. In Augsburg hat man sich von den Kölnern inspirieren lassen. Die dortigen Stadtwerke installierten die Bodenampeln ebenfalls an zwei Straßenbahn-Haltestellen.

Mann mit Handy am Steuer: Handy-Nutzung während der Fahrt ist weit verbreitet
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